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Als sie 1998 mit ihrem Mann nach Deutschland kam und auf dem Frankfurter Flughafen die einzige Dunkelhäutige war, da hat Esi Jaeger sich allein gefühlt inmitten all der weißen Gesichter. Doch kaum war sie in Schorndorf und von Martin Jaegers Freudes- und Bekanntenkreis und der Familie umgeben, die er in Zeitungsartikeln immer wieder über seinen Einsatz als Entwicklungshelfer an einer christlichen Berufsschule in Ghana und über seine neue Liebe auf dem Laufenden gehalten hatte, war das Gefühl der Isolation weg. Am Donnerstag nach ihrer Ankunft war sie beim Ghana-Arbeitskreis des Weltladens dabei, am Dienstag wurde sie von den Mitgliedern des Stuttgarter Motettenchors, in dem Martin Jaeger sang, begrüßt.

Ihre Offenheit hat ihr den Start erleichtert

Beim ersten Gang auf den Schorndorfer Wochenmarkt hörte sie von allen Seiten: „Herzlich willkommen!“ Keiner hat sie gefragt, wer sie ist: „Das war mein Vorteil.“ Auf dieser Basis konnte sie weitermachen. Doch es waren nicht nur die vielen Aktivitäten ihres Mannes, ihre Neugier und ihre Offenheit haben Esi Jaeger den Start in Deutschland auch erleichtert.

Im Fokus steht der Mensch, nicht die Hautfarbe

Heute fühlt sie sich nicht mehr fremd. Manchmal vergisst sie sogar, dass sie anders ist: „Meine Hautfarbe steht bei mir nicht im Fokus.“ Esi Jaeger lebt gerne in Schorndorf: mit ihrem Mann und der 17-jährigen Tochter Stefanie. Seit 14 Jahren hat die gelernte Koch- und Hauswirtschaftslehrerin und zertifizierte Zuckerartistin ihr eigenes Atelier und verkauft an Kunden aus ganz Deutschland, die übers Internet auf sie aufmerksam werden, Zuckerblumen und kunstvolle Festtagstorten in britisch-amerikanischem Stil. An der Volkshochschule in Stuttgart, Waiblingen, Köngen, Adelberg und Schwäbisch Gmünd gibt sie Pralinenkurse – mit einem treuen Teilnehmerkreis. Und vor 16 Jahren wurde sie, obwohl sie erst gar nicht wollte, sogar in den Kirchengemeinderat der evangelischen Versöhnungsgemeinde gewählt – und bereits zweimal bestätigt.

„Ich habe nichts Negatives erlebt, ehrlich.“

Als dann Anfang des Jahres eine Leipziger Produktionsfirma anrief, die fürs ZDF eine 37-Grad-Dokumentation über Menschen mit afrikanischen Wurzeln, deutschem Pass und schlechten Erfahrungen drehen wollte, winkte sie ab: „Ich habe nichts Negatives erlebt, ehrlich.“ Das machte das Fernsehteam erst recht neugierig: Ein paar Wochen später folgte der zweite Anruf und im April ein Besuch in Schorndorf: Esi Jaeger sollte Teil der Dokumentation „Schwarze Haut – deutscher Pass“ werden, die am Dienstag, 29. August, 22.15 Uhr, im ZDF ausgestrahlt wird.

Filmaufnahmen im Haus, bei der Arbeit und in der Kirche

An drei Drehtagen an einem Wochenende Mitte Mai wurden Filmaufnahmen von der 51-Jährigen gemacht: Am ersten Tag ging’s um das Familienleben, es gab Filmaufnahmen in Haus und Küche. Am zweiten Tag wurde sie gefilmt, wie sie in ihrem Atelier an einer Torte arbeitet – „ich hatte eine große Hochzeit“, erinnert sich Esi Jaeger. Und am Sonntag ging das Fernsehteam mit Esi Jaeger und ihrem Mann in die Versöhnungskirche – um die 51-Jährige dort zu filmen, wo sie als überzeugte Christin eine Heimat für ihren Glauben gefunden und seit 16 Jahren als Kirchengemeinderätin Wurzeln geschlagen hat.

Die Leipziger Produktionsfirma wurde wegen der SchoWo-Vorfälle nervös

Anfang Juli, beim Internationalen Fest, wurde Esi Jaeger ebenfalls gefilmt – an ihrem Stand mit dem ghanaischen Essen, das bei den Gästen beliebt ist. Dass das Team zwei Wochen später aber schon wieder nach Schorndorf kommen sollte, war nicht geplant: Doch als die Daimlerstadt nach den angeblichen Massenkrawallen auf der SchoWo in die bundesweiten Schlagzeilen geraten war, wurde die Leipziger Produktionsfirma nervös. Einen Friede-Freude-Integrationsbeitrag ohne Bezug zu den Schorndorfer Ereignissen – das war nicht möglich.

"Für mich ist Schorndorf eine friedliche Stadt

Doch auch da konnte Esi Jaeger nichts Negatives berichten: Von den Ausschreitungen im Schlosspark hatte sie, obwohl sie keine hundert Meter Luftlinie entfernt wohnt, nichts mitbekommen. Erst als ihr Mann am Montagmorgen die Zeitung aufschlug, haben die beiden überhaupt erfahren, was in direkter Nachbarschaft passiert ist. Mit dem Fernsehteam, das am späten Nachmittag in Schorndorf angekommen war, gingen die 51-Jährige und ihr Mann auf die SchoWo – und erlebten einen friedlich-harmonischen Abend. „Ich habe meine Sicht dargestellt“, sagt Esi Jaeger. Was kommt, weiß sie nicht: „Doch für mich ist Schorndorf eine friedliche Stadt.“

Die letzte Reise nach Ghana ist fünf Jahre her

Dass sie sich hier so wunderbar integrieren konnte, ist für Esi Jaeger letztlich das Verdienst von zwei Seiten: Die Schorndorfer haben es ihr leicht gemacht, aber sie musste sich auch immer nach vorne bewegen und offen auf die Menschen zugehen. Und dabei hat sie anfangs gar nicht viel verstanden – trotz viermonatigem Intensivkurs am Goethe-Institut in der ghanaischen Hauptstadt Accra. In Schorndorf war sie dann noch zwei Semester lang an der Volkshochschule im Sprachkurs – „um Schwäbisch zu lernen“. Und mag sie anfangs noch fast jedes Jahr in Ghana gewesen sein, die letzte Reise ist mittlerweile schon fünf Jahre her: „Ich wollte Wurzeln schlagen und hier keine Touristin sein.“ Außerdem ist sie mit ihrem Zucker-Atelier gebunden, die Familie braucht sie.

Nicht immer daran denken, wie es in Ghana wäre

In Ghana ist sie mittlerweile zu Besuch. Und dort hat sie vor einigen Jahren auch etwas erlebt, das ihr in Deutschland bisher erspart geblieben ist: Sie wurde von einem Friseur abgewiesen, weil er Schwarzen nicht die Haare schneiden wollte. Dass sie diese Erfahrung ausgerechnet in Afrika machen musste, sieht sie auch als Zeichen von Gott: „Damit ich hier so weiterleben kann und nicht immer daran denke, wie es in Ghana wäre.“


37 Grad

Esi aus Ghana, Ewane aus Kamerun und Emiliano aus Mosambik: Menschen mit afrikanischen Wurzeln in Deutschland. Die 37-Grad-Dokumentation „

Schwarze Haut – Deutscher Pass“, die am

Dienstag, 29. August, im ZDF ausgestrahlt wird, begleitet die drei im Spannungsfeld zwischen Integration, Vorurteilen und realen Problemen – auch in Zusammenhang mit dem Zuzug vieler Flüchtlinge auch aus Afrika.

In der Ankündigung wirbt das ZDF für die Dokumentation: „Ewane aus Kamerun lebt in der Lüneburger Heide und will Polizist werden, die Zuckerbäckerin Esi aus Ghana ist im Schwabenland zu Hause, Krankenpfleger Emiliano baut Gemüse im Schrebergarten in Dresden an. Sie sind Menschen mit afrikanischer Herkunft, die deutsche Werte verinnerlicht haben, die die hiesige Kultur schätzen und ein Stück dankbar sind, in Deutschland zu leben. Insofern können sie zwar als positive Beispiele von Integration gelten, aber sie leben keineswegs in einem konfliktfreien Raum.“

Sendetermin der

wöchentlichen Doku-Reihe – „mit Themen mitten aus dem Leben“ – ist dienstagabends von 22.15 bis 22.45 Uhr im ZDF.

Source : https://www.zvw.de/inhalt.schorndorf-zdf-dreht-doku-ueber-schorndorferin.fae95450-9bc9-4535-b5eb-0b371fa4dd29.html

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