London

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Jeremy Browne war Abgeordneter und kurzzeitig Staatssekretär. Jetzt kämpft er für den britischen Finanzplatz.

Von Björn Finke

Björn Finke

Geboren 1976 in Düsseldorf, Studium der Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität zu Köln und der London School of Economics and Political Science (Abschluss 2002 als Master of Science in European Social Policy), danach Besuch eines Graduiertenkollegs der Universität Bremen. Außerdem Absolvent der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft, seit 2004 bei der Süddeutschen Zeitung in München und seit 2013 SZ-Wirtschaftskorrespondent in London.

Jeremy Browne hat einen Schreibtisch in London und einen in Brüssel. Aber zuletzt verbrachte er viel Zeit auf Reisen in andere europäische Länder. Der 47-Jährige wirbt in den EU-Staaten dafür, dass die Banken, Versicherer und Fondshäuser aus London, Europas wichtigstem Finanzplatz, auch nach dem Brexit problemlos Geschäfte auf dem Festland tätigen können. Browne, ein früherer britischer Parlamentsabgeordneter und Sohn eines Diplomaten, ist seit anderthalb Jahren EU-Cheflobbyist der City of London Corporation. Das ist die Kommunalverwaltung der Square Mile, des nur eine Quadratmeile großen Altstadtviertels, das heute die Finanzkonzerne beherbergt.

Eine entscheidende Frage für die Brexit-Verhandlungen sei, "ob sich die EU wohlfühlt mit der Vorherrschaft von London", sagt der Lobbyist. "Oder wird Brüssel versuchen, dem Finanzplatz bewusst zu schaden, um einen Rivalen innerhalb der EU zu stärken?" Nach seiner Rundreise durch Europa hatte der gebürtige Londoner eher beunruhigende Nachrichten für seine Dienstherren in der Guildhall, dem Rathaus der Altstadt, im Gepäck: "Vor allem in Frankreich wollen einige London schaden. Ihnen ist Politik wichtiger als wirtschaftliche Vernunft", sagt Browne.

Die Finanzbranche und von ihr abhängige Dienstleister, etwa Wirtschaftsprüfer, beschäftigen in London 751 000 Angestellte. Das sind mehr Menschen, als Frankfurt Einwohner hat. Bisher können die Finanzkonzerne von der Themse aus Kunden in der ganzen EU betreuen, ohne vor Ort extra Genehmigungen einholen zu müssen. Die britische reicht aus. Fachleute sprechen davon, dass die Firmen einen EU-Pass für ihre Produkte haben. Doch Premierministerin Theresa May hat sich festgelegt, dass das Königreich mit dem Brexit auch den Binnenmarkt verlässt. Damit verlieren Londons Banken dieses Privileg. Um weiter auf dem Festland tätig sein zu dürfen, müssen sie eine Erlaubnis in einem EU-Staat beantragen und dorthin Abteilungen und Arbeitsplätze verlagern.

"Es ist unvermeidlich, dass London Jobs an Städte wie Frankfurt und Dublin abgibt", sagt Browne. Die Frage sei nur, wie groß die Verluste ausfallen. Er wirbt dafür, dass Londons Banken nach dem Brexit auch ohne EU-Pass auf dem Festland möglichst viele Dienstleistungen erbringen dürfen. Die EU und die britische Regierung müssten sich in den Austrittsgesprächen lediglich darauf einigen, die jeweils anderen Finanzmarktregeln als gleichwertig anzuerkennen, sagt er. "Ich kann ja auch in Deutschland mit meinem britischen Führerschein ein Auto mieten. Die Führerscheinprüfungen sind unterschiedlich, doch die Behörden erkennen an, dass die Tests vergleichbare Fähigkeiten belegen."

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Browne saß von 2005 bis 2015 für die EU-freundlichen Liberaldemokraten im Parlament. Von 2010 bis 2015 war die Partei Koalitionspartner der Konservativen, und Browne wurde Staatssekretär, erst im Außen-, dann im Innenministerium. 2013 verbannte ihn der damalige Chef der Liberaldemokraten wieder auf die Hinterbänke des Parlaments. Der Erz-Wirtschaftsliberale Browne galt vielen in der Partei als zu rechts. 2014 verkündete Browne, im Jahr darauf nicht mehr fürs Parlament zu kandidieren. Kurz nach seinem Ausscheiden übernahm er den Lobbyisten-Posten.

Bei der Neuwahl des Parlaments vor drei Wochen verloren Mays Konservative überraschend ihre absolute Mehrheit. "Damit ist die Debatte darüber, welchen Brexit das Land anstrebt, neu eröffnet", sagt Browne. Er geht aber davon aus, dass das Königreich in jedem Fall den Binnenmarkt verlassen wird. Denn ansonsten müsste Großbritannien weiterhin unbegrenzt Einwanderung aus der EU akzeptieren - "und das wäre dem Wähler kaum als Brexit zu verkaufen".

Source : http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nahaufnahme-werben-fuer-london-1.3562709

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