Fc bayern münchen

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Beim Rekordmeister greifen längst noch nicht alle Rädchen ineinander. Wirklich besorgt wirkt deshalb allerdings niemand - auch weil die Zugänge starke Szenen haben.

Von Benedikt Warmbrunn

Benedikt Warmbrunn

Studium der Politologie, Volkswirtschaftslehre und Soziologie in München. Schreibt seit 2006 für die Süddeutsche Zeitung, seit 2014 hauptsächlich über den FC Bayern. Boxt.

Ratlos blickte Sebastian Rudy in den Verkehr vor sich. Sollte er jetzt nach rechts, sollte er nach links, sollte er mutig nach vorne rennen? Sein Blick war leer, er hatte überhaupt keine Idee. Dann zeigte einer seiner Freunde nach links, er ging voran, Rudy folgte ihm, über die Pfützen hinweg, zwischen den Autos hindurch, hinein ins Parkhaus. Als er dann in kurzer Hose und mit Rucksack auf dem Rücken die Treppen hinaufstieg, sah Sebastian Rudy, der zuvor eine so entscheidende Rolle an diesem Abend übernommen hatte, aus wie einer von Tausenden jungen Männern auf ihrem Weg von der Arena ins Wochenende.

Der Abend endete für Rudy also mit einem kurzen Gefühl der Orientierungslosigkeit, nicht zum ersten Mal an diesem Abend, aber mit einem, das er verkraften kann. Allzu oft hat er die Münchner Arena ja noch nicht verlassen, es war sein erstes Heimspiel für den FC Bayern in der Bundesliga. Und das, was er zuvor an diesem Abend erlebt hatte, war ja auch deutlich turbulenter als der kurze Weg durch den nächtlichen Verkehr.

Der FC Bayern hatte die Saison mit 18 furiosen Minuten eröffnet, gefolgt von 60 etwas schwerfälligeren Minuten, dazu ein Unwetter, auch Momente der kollektiven Orientierungslosigkeit waren dabei. Dennoch sprachen sie im Team nicht allzu streng über diese Auftaktpartie. Die ersten 18 Minuten hatten ja als Grundlage für ein 3:1 (2:0) gegen Bayer Leverkusen gereicht.

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Zur richtigen Zeit in der richtigen Höhe: Niklas Süle (rechts in rot) erzielt das 1:0.

(Foto: Christian Kolb/imago)

Dass der FC Bayern am Freitag gewonnen hat, das lag ganz besonders an drei Zugängen, an Niklas Süle, an Corentin Tolisso und eben an Rudy. Süle traf mit einem Kopfball zur Führung, nach einem Freistoß von Rudy (9.), Tolisso erhöhte neun Minuten später. Die drei deuteten aber nicht nur wegen ihrer Tore an, warum der Verein sie im Sommer verpflichtet hat. Süle, der trotz seines Grizzlybärenkörpers schnell und beweglich ist, bildete mit Mats Hummels eine optisch furchteinflößende Innenverteidigung; vor allem bei Duellen in der Luft war er kaum zu bezwingen. Rudy strukturierte wie schon bei den Erfolgen im Supercup sowie in der ersten Runde des DFB-Pokals mit seiner Passsicherheit im Zentrum das Spiel, seine Aktionen erinnern manchmal an die Ballbesitzzeiten unter Pep Guardiola. Der Auffälligste aus dem Trio war freilich Tolisso. Am Ende hatte er die meisten Torschüsse (drei) gesammelt, die meisten Ballkontakte (77), und er hatte auch abseits der Zahlen demonstriert, warum er für den Bundesligarekord von 41,5 Millionen Euro aus Lyon geholt wurde: Er war handlungsschnell, raffiniert, zwischen den beiden Strafräumen stets anspielbar. "Er war sehr spielfreudig, wollte immer die Bälle haben, war auch vorne sehr präsent", lobte Rudy. Für Joshua Kimmich war Tolisso "der beste Spieler auf dem Platz", und der Rechtsverteidiger vertrat damit keine Einzelmeinung.

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Dass der FC Bayern gerade in der zweiten Hälfte gegen Leverkusen auch ein bisschen gezittert hat, das lag allerdings auch an den Zugängen, wenn auch nicht an ihnen allein. Robert Lewandowski erzielte zwar noch das 3:0 (52.), doch zu diesem Zeitpunkt wirkte der Auftritt der gesamten Mannschaft schon etwas orientierungslos. "Nach dem 3:0 haben wir ein Stück weit das Spiel im Kopf abgehakt", gestand später Kimmich, und auch damit vertrat er keine Einzelmeinung.

Nur zwei Niederlagen: Die ersten Saisonspiele des FC Bayern seit 2000

2000 FC Bayern München * - Hertha BSC 4:1

2001 B. Mönchengladbach - FC Bayern * 1:0

2002 B. Mönchengladbach - FC Bayern 0:0

2003 FC Bayern * - Eintracht Frankfurt 3:1

2004 Hamburger SV - FC Bayern 0:2

2005 FC Bayern * - B. Mönchengladbach 3:0

2006 FC Bayern * - Borussia Dortmund 2:0

2007 FC Bayern - Hansa Rostock 3:0

2008 FC Bayern * - Hamburger SV 2:2

2009 TSG Hoffenheim - FC Bayern 1:1

2010 FC Bayern * - VfL Wolfsburg 2:1

2011 FC Bayern - B. Mönchengladbach 0:1

2012 SpVgg Greuther Fürth - FC Bayern 0:3

2013 FC Bayern * - B. Mönchengladbach 3:1

2014 FC Bayern * - VfL Wolfsburg 2:1

2015 FC Bayern * - Hamburger SV 5:0

2016 FC Bayern * - SV Werder Bremen 6:0

2017 FC Bayern * - Bayer 04 Leverkusen 3:1

* Als Titelverteidiger

Gerade zu Beginn der zweiten Hälfte war zu sehen, dass die Umbaumaßnamen an der Statik des Spiels noch nicht abgeschlossen sind. Philipp Lahm und Xabi Alonso, die in den vergangenen Jahren mit ihrer Erfahrung instinktiv viele gegnerische Passwege frühzeitig abgesperrt haben, sind im Sommer zurückgetreten. In der Grenzsituation des Leverkusener Dauerpressings fehlte deren Souveränität; die Neuen und die Spieler auf neuen Positionen (Kimmich) konnten sich noch nicht instinktiv aufeinander verlassen, und so öffnete sich für die Leverkusener Angriffe die eine oder andere Lücke. "Da müssen entweder die Defensiven nachrücken oder die Offensiven schneller zurückkommen", sagte Rudy, der auf seiner Position die anspruchsvolle Aufgabe hat, in Zukunft auch bei gegnerischen Angriffen der Mannschaft mehr Ruhe zu geben. "Wir sind jetzt nicht im siebten Himmel", sagte auch Kapitän Thomas Müller. "Wir hatten auch ein bisschen Glück, dass Leverkusen nicht richtig rangekommen ist." Insgesamt 19 Mal schossen die Gäste auf das Tor des FC Bayern, oft konnte sich dabei Sven Ulreich auszeichnen, der zum vorerst letzten Mal Manuel Neuer vertrat. Es traf allerdings lediglich Admir Mehmedi (65.).

Wie lange die Reparaturen am Münchner Spiel noch dauern werden, wollte am Freitagabend niemand vorhersagen. "Wir müssen an ein paar Schrauben drehen", sagte Süle. Er klang allerdings nicht sonderlich besorgt. Mit Rudy zum Beispiel hat er zuletzt vier Jahre lang in Hoffenheim gespielt, ratlos hat er ihn in dieser Zeit eigentlich nie erlebt.

Die drei Neuen werden ihre Wege in der Münchner Arena bald besser kennen, nicht nur den von der Kabine zum Auto.

Source : http://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-muenchen-wacklige-grizzlys-1.3633879

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