Zuschauer Bewerfen Donnarumma Mit Dollarnoten

Wären die berühmten Rocky-Filme erst jetzt gedreht worden, Conor McGregors Aufstieg könnte ohne dramaturgische Überspitzungen problemlos als Drehbuch herhalten. Seine medienwirksamen Auftritte in den sozialen Netzwerken würden das showträchtige Prügeln auf tote Schweine des Rocky Balboa ersetzen, alles andere wäre so gut wie identisch. So zumindest führen es die Kritiker McGregors an, die dem König des Käfigkampfes vorwerfen, auf seinem Weg nach oben viel zu große Töne gespuckt zu haben. Schließlich seien seine Gegner stets handverlesen gewesen.

Fakt ist: „Mixed Martial Arts“, kurz MMA, diese Mischung aus Ringen, Judo, Jiu-Jitsu, Thaiboxen, Schieben, Werfen, Würgen und Treten hat dank McGregor gewaltig an Aufmerksamkeit gewonnen. So gewaltig, dass der Superstar der Szene jetzt mit Box-Weltmeister Floyd Mayweather in den Ring steigen darf, dem buntesten Vogel des Faustkampfes. Es soll der „Billion Dollar Fight“ werden, weil bereits alle anderen Superlativen vergeben sind. Der Weg für McGregor dorhin war kein leichter.

Die Karriere des Iren Conor McGregor beginnt auf dem Fußballfeld irgendwann Mitte der 90er-Jahre in einem Vorort Dublins. McGregor ist ein Arbeiterkind und besessen vom Fußball, bis er auf dem Rückweg vom Bolzplatz eine Boxbude entdeckt. Immer häufiger schaut er neben dem Fußballtraining auch hier vorbei. Alleine seinen Mann zu stehen, Kämpferherz und Härte beweisen zu müssen, fasziniert ihn zunehmend mehr als die gemeinschaftliche Jagd nach dem Ball und möglichen Toren. Er entdeckt Jiu-Jitsu für sich, eine von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Mit 19 wechselt er für seinen ersten Fight in den MMA-Käfig.

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Im Elternhaus kommt das nicht gut an. Irland hat wenige große Sportler und erst recht keinen erfolgreichen Käfigkämpfer. Zum großen Knall kommt es, als McGregor mit nichts als seinem Schulabschluss in der Tasche den Hilfsjob als Klempner schmeißt. Zehn-Stunden-Schichten plus zweistündiger Anfahrt bei nasskalt-grauen irischen Sonnenaufgängen vertragen sich nicht mit hartem Training. McGregor besitzt Disziplin und einen hellen Verstand. Die krummen Rücken und leeren Augen älterer Kollegen auf dem Bau raten ihm, für sich eine andere Zukunft zu wählen. Tony McGregor, sein Vater, ist außer sich und sagt Conor voraus, er werde seine Sturheit noch bereuen. Doch der Sohn reagiert, indem er frech ankündigt, mit 25 Millionär zu sein.

Er nennt sich „The Notorious“ (Der Berüchtigte) und kämpft sich mit harter Arbeit und Talent in der Szene hoch. Seine Siege sind spektakulär, noch spektakulärer sind seine Interviews. Um McGregor sammelt sich eine begeisterte Fangemeinde, die seine Auftritte immer teurer werden lässt. Mit 26 hat McGregor tatsächlich seine erste Million erkämpft. Heute prahlt Vater Tony in seinem Instagram-Account mit Yachten und Champagner.

Sein Connor feiert Erfolge im und außerhalb des Käfigs: Dauerpräsenz in den Medien, erster UFC-Doppelchampion, laut Forbes die Nummer 24 der bestbezahlten Sportler der Welt. Für seine Kämpfe in Las Vegas oder New York reisen mehrmals im Jahr tausende Iren über den Atlantik. Im Herbst bringt Universal einen Film über seinen Aufstieg heraus – in Zusammenarbeit mit „McGregor Sports & Entertainment“, seinem Unternehmen, das den Mayweather-Kampf im zähen Ringen ausgehandelt hat und jetzt auf dem Poster prangt. Noch nie hatte ein UFC-Kämpfer eine eigene Promotionfirma, noch nie aber polarisierte ein Kämpfer so sehr wie McGregor.

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Das Spektakel am 26. August wird als „Billion Dollar Fight“ gehandelt. McGregor hat es geschafft, eine Frage teuer zu verkaufen, deren Antwort eigentlich bekannt ist. Duelle zwischen Kampfsportlern verschiedener Disziplinen sind nicht neu. Die ganze Idee des MMA-Sports basiert darauf, herauszufinden, welcher Stil sich gegen die anderen durchsetzen würde. In den Anfangstagen der frühen 90er-Jahre schickten die Organisatoren auf der Suche nach einer Antwort Ringer gegen Boxer ins Feld, Kickboxer gegen Jiu-Jitsu-Schwarzgurte oder Taekwondo-Spezialisten gegen Judoka. Das Ergebnis: Wer im MMA nicht von jeder Disziplin wenigstens ein bisschen beherrscht, der geht unter. Es ist der Zehnkampf des Kampfsports, Boxen hingegen eine Wissenschaft für Individualisten. Einzige Gemeinsamkeit: Kämpfe enden mit blauen Augen und einem, der am Boden liegt.

McGregor ist ein herausragender Käfigkämpfer, weil er seine Gegner mit einer Mischung aus eloquenter Schlagfertigkeit und Cleverness zu emotionalen Ausbrüchen treibt, die der Ire dann zu seinem Vorteil nutzt. Und so enden die Fights meist mit McGregor als Sieger über seine vor lauter Wut irgendwann kopflos kämpfenden Kontrahenten. Er sagt: „Für mich ist das alles ein Geschäft. Ich sehe keine Namen, nur Körper und blanke Gesichter. Ich fühle nichts, wenn ich da draußen bin.“ McGregors Aura hat ihn groß gemacht und lässt immer Größeres möglich erscheinen. Vielleicht sogar einen Sieg über Mayweather? Unwahrscheinlich, aber was ist in der Welt, aus der McGregor kommt, schon normal?

Der dreimalige Box-Weltmeister James Toney hat sich im Sommer 2010 einmal in ein Duell mit einem MMA-Kämpfer gewagt. Fünfzehn Sekunden dauerte es, bis Käfiglegende Randy Couture, Bundesmeister im College-Ringen, seine Beine zu packen bekam und ihn auf den Rücken beförderte. Danach führte er den Boxer auf der Matte vor, bis Toney im Jiu-Jitsu-Würgegriff nach drei Minuten und neunzehn Sekunden abklopfte und die 14.000 Zuschauer erstarren ließ. Knockout-Meister Toney landete keinen einzigen Schlag.

Am 26. August sind in der längst ausverkauften Arena am Las Vegas Strip die Vorzeichen andere. Es soll eine echte Boxveranstaltung werden. Und da ist aus technischer Sicht #MayGregor kein Kampf, sondern eher ein Witz. McGregor ist ein gefährlicher, etwas unorthodoxer Rechtsausleger. Seine Fäuste aber hat er die letzten zehn Jahre so trainiert, dass sie im Zusammenspiel mit anderen Körperteilen funktionieren. In einem Mix aus Schlagen, Treten und Ringen, bei dem Hände und Beine auch instinktiv darauf vorbereitet sein müssen, über drei oder fünf Fünf-Minuten-Runden jederzeit Würfe und Griffe abzuwehren oder zu setzen. Mayweather dagegen hat sein ganzes Leben den zwölf Drei-Minuten-Runden verschrieben und dort ausschließlich mit seinen zwei Fäusten Boxgrößen wie Ricky Hatton, „Canelo“ Álvarez und Manny Pacquiao gezähmt.

Zugegeben, McGregors Linke ist stark, unter ihr sind einige der besten UFC-Kämpfer auf die Bretter gegangen. Er ist jünger, schwerer und mit einer längeren Reichweite ausgestattet als Mayweather. Der hat mit Rechtsauslegern bislang die meisten Probleme, außerdem genießt er eigentlich seit zwei Jahren sein Rentendasein. Aber: Mayweather hat bislang jeden seiner 49 Profi-Kämpfe gewonnen und ist noch immer verdammt schnell.

McGregor musste im Laufe seiner Karriere deutlich mehr einstecken, er kann also auf starke Nehmerfähigkeiten vertrauen. Selbst mit den dünnen Vier-Unzen-Handschuhen beim MMA. Trotzdem eignet sich diese Kombination angesichts der gewaltigen technischen Lücke zwischen den beiden Stars vor allem dazu, McGregor im Ring zu blamieren. Käme er einmal sauber durch, könnte es interessant werden. Klar ist aber: Großmaul Mayweather wird sich von McGregors prolligen Provokationen ganz sicher nicht zu kostspieligen Fehlern verleiten lassen.

Obwohl die Vorzeichen so eindeutig sind, wird es wohl der größte Fight aller Zeiten. Stimmen die Schätzungen von bis zu fünf Millionen Pay-per-View-Verkäufen, dann wird der Kampf erfolgreicher sein als Mayweathers „Jahrhundert-Duell“ gegen Pacquiao im Mai 2015 und sich häufiger verkaufen als seine Siege gegen Oscar De la Hoya und Saul Álvarez zusammen. Die beiden brachten immerhin 80 Siege als Profi-Boxer mit in den Ring, McGregor keinen einzigen. Ein Debütant, der für seinen ersten Gang zum Ring schon vor Pay-per-View-Beteiligung und Sponsorenausschüttung 75 Millionen Dollar bekommen soll.

Trotz aller Bedenken, was das Spektakel mit der Legitimität beider Sportarten anstellen könnte, wird der 26. August für alle Beteiligten vor allem eines: ein gutes Geschäft. Mayweather und McGregor mögen sich im Vorfeld verbal noch so sehr die Rübe einschlagen, im Grundsatz sind sie sich sehr ähnlich: smart, geschäftstüchtig und bis ins Groteske selbstbewusst. Sie kämpfen weniger gegeneinander als gemeinschaftlich um Rekorde an der Kasse.

Mayweather prahlt damit, in 36 Minuten 300 Millionen zu verdienen. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz bewarf er McGregor kürzlich abfällig mit Dollar-Noten. Der begann im Gegenzug den Kartenvorverkauf für seine Siegerparty im Anschluss an den Fight. Plätze an einem der besseren Tische im berühmten Encore Beach Club des Nevada Hotels kosten 18.000, in einem der Vip-Bungalows sogar 24.000 Dollar. Auch als Verlierer wird McGregor eines nach dem Kampf in jedem Fall zu feiern haben: Eine proppevolle Kasse.

Es ist schon erstaunlich, wie weit es Connor McGregor geschafft hat. Die finanziellen Durststrecken der Anfangszeit überstand er noch dank Sozialhilfe. Wäre McGregor im Käfig gescheitert, würden ihn heute wohl nur seine Nachbarn kennen und für einen Spinner halten. Doch es kam anders: In den Mixed Martial Arts hat sich McGregor seit seinem Debüt im April 2013 seitenweise in die noch dünnen Geschichtsbücher eingetragen. Bezwingt „Der Berüchtigte“ im August den Box-Weltmeister in dessen eigener Disziplin, würde ihn das zur sportübergreifenden Legende machen.

Source : https://www.welt.de/print/die_welt/sport/article167579150/Der-Mann-aus-dem-Kaefig-der-Traeume.html

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Der Mann aus dem Käfig der Träume
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