Waldbrände In Portugal Noch Immer Wüten Die Flammen

In Portugal kämpft die Feuerwehr weiter gegen heftige Waldbrände. Die Behörden sprechen inzwischen von leichter Entspannung. 64 Menschen kamen bisher in den Flammen ums Leben, erst 24 von ihnen sind identifiziert.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Filomena steht vor dem Haus ihrer Verwandten, in einem Dorf mitten im Waldbrandgebiet. Sie weint beim Blick auf das, was von dem Anwesen übrig geblieben ist. "Ich mache mir Sorgen um meine Schwester und meinen Neffen", sagt sie. "Sie sind aus dem Haus geflüchtet, mussten alles zurücklassen, all ihre persönlichen Dinge sind weggebrannt. Außerdem leben Freunde von mir ganz in der Nähe, sie sind vom Feuer quasi umzingelt. Hier brennt ja fast alles - ich habe Angst, dass das Feuer auch über unseren Fluss kommt und sich noch weiter ausbreitet."

Betroffen von den heftigen Bränden ist ein Gebiet in der Mitte Portugals, etwa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lissabon. Viele Feuer lodern seit Samstagabend, zwei größere Brandherde sollen weiterhin außer Kontrolle sein.

>Waldbrände in Portugal

tagesschau24 09:00 Uhr, 20.06.2017, Ralf Kühn, ARD-aktuell

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Erste Fortschritte, aber noch keine Entwarnung

Der zuständige Feuerwehrchef Elisio Oliveira spricht nun jedoch von einer günstigen Entwicklung: "Wir machen Fortschritte im Kampf gegen die Flammen - in allen betroffenen Provinzen: Coimbra, Leiria und Castelo Branco. Allerdings brennen hier große Gebiete, viele sind nur schlecht zugänglich." Allerdings mache das Wetter den Kräften Probleme: "In manchen Zonen ist der Rauch einfach so stark, dass die Piloten der internationalen Löschflugzeuge nichts sehen können, viele müssen also am Boden bleiben."

Immerhin: Einige der Maschinen sind nun im Einsatz. Am Vormittag waren die Rauchwolken noch so dicht, dass kein Flugzeug starten konnte. Neben den portugiesischen Maschinen befinden sich Löschflugzeuge aus Spanien, Italien und Frankreich im Waldbrandgebiet. Mehr als Tausend Helfer sind vor Ort.

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Waldbrände in Portugal

Vollbild 
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Eine Wand aus Rauch: Durch die Feuer verdunkelt sich der Himmel über dem Dorf Mourisco in Zentralportugal. Viele Menschen hatten auf ihrer Flucht vor den Flammen, mit dem dichten Rauch zu kämpfen. Die Sichtweite betrug teilweise nur wenige Meter. | Bildquelle: REUTERS

portugal-waldbrand-103> Waldbrände in Portugal> Waldbrände in Portugal> Firefighters rest during a wildfire at Penela, Coimbra, central Portugal, on June 18, 2017.  A wildfire in central Portugal killed at least 25 people and injured 16 others, most of them burning to death in their cars, the government said on June 18, 2017. Several hundred firefighters and 160 vehicles were dispatched late on June 17 to tackle the blaze, which broke out in the afternoon in the municipality of Pedrogao Grande before spreading fast across several fronts. > Waldbrände in Portugal> Waldbrände in Portugal> Feuerwehrleute der Republikanische Nationalgarde versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) einen Waldbrand zu löschen. Bei einem verheerenden Waldbrand im Zentrum von Portugal ist die Zahl der Todesopfer auf über 40 gestiegen. > Ausgebrannte Autos stehen auf einer Straße.>

Kritik an Behörden

Die Menschen in Portugal diskutieren inzwischen die Frage, warum das Feuer solch dramatische Ausmaße annehmen konnte. Die Umweltschutzorganisation Quercus gibt den Behörden eine Mitschuld an der Katastrophe. Sie kritisiert, dass der Staat den Anbau von Eukalyptusbäumen stark gefördert hat.

Diese Art fange schnell Feuer, auch weil ihre Blätter leicht ölig sind, sagt Umweltschützer Hilario Costa: "Eukalyptus hat sich in Portugal stark und ohne Regeln ausgebreitet. Das Ergebnis ist offensichtlich: Bei diesen Waldbränden waren die größten verbrannten Flächen Eukalyptusplantagen."

Karte: Portugal mit Lissabon und Pedrógão Grande > galerie>

Das Feuer brach knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon aus.

Auch das Grundstück von Antonio liegt gleich neben einer solchen Plantage. Die Flammen haben sein Haus und den Garten komplett verwüstet. "Als das Feuer kam, wurde die ganze Familie unruhig", erzählt Costa. "Wir sahen riesige Flammen, alles brannte lichterloh. Wir flüchteten. Und als wir nun wiederkamen, sahen wir, dass das Feuer wirklich alles vernichtet hat."

Hilfsorganisationen haben in vielen Dörfern Zelte aufgebaut und verteilen Lebensmittel. Schulen und Sporthallen wurden zu provisorischen Schlaflagern umgebaut. Auch wenn das Hab und Gut vieler Menschen in Portugal verloren ist - sie können auf eine große Hilfsbereitschaft zählen.

Schwere Waldbrände in Portugal

O. Neuroth, ARD Madrid

19.06.2017 19:53 Uhr

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