Confed Cup In Russland : Arturo Vidal: Chiles Mann Der Extreme

Von Tobias Nordmann und Stefan Giannakoulis

Da sind sie wieder, die schäbigen Bayern: Sie kaufen den besten Spieler der Konkurrenz, gaukeln ihm was von Perspektive vor und dann tschüss. Sebastian Rudy ist so einer - nicht. Zur Überraschung fast aller.

Fußballtrainer quatschen bisweilen gehörigen Unfug daher. Das müssen sie wohl auch, ist die Wahrheit doch für Fans und Bosse oft nur schwer zu verdauen. Wenn Carlo Ancelotti nun der "Gazetta dello Sport" vor der Saison erklärt, seine Mannschaft habe sich verbessert - nun, dann klingt das eben nach Unfug. Nicht, weil James Rodriguez als Spielfrei-Spielmacher die zentrale Verantwortung übernehmen soll. Auch nicht, weil Millionen-Nobody Corentin Tolisso im Mittelfeld führen soll. Sondern weil mit Philipp Lahm und Xabi Alonso zwei Legenden den Klub verlassen haben. Und weil ihre Nachfolger halt Joshua Kimmich heißen - und Sebastian Rudy.

Schnäppchen-Stratege? Schaun mer mal.>
Schnäppchen-Stratege? Schaun mer mal.(Foto: imago/MIS)

Während sie Kimmich beim FC Bayern trotz überschaubarer Arbeitsnachweise in der Rückrunde 2016/2017 seit einem halben Jahr starkreden, wird der Rudy-Transfer seit nahezu gleicher Zeit belächelt. Von vielen Fans, die sich fragen, was ein 27 Jahre alter Mann aus Hoffenheim denn eigentlich in München will. Außer vielleicht mehr Geld zu verdienen und Titel zu gewinnen. Nun, die Antwort ist einfach: Rudy will spielen. Neben oder für Spieler wie den Abräumextremisten Arturo Vidal, den katalanischen Kreativling Thiago Alcántara, oder halt James und Tolisso. Diese Ambition, sie wurde kaum ernster genommen als der Transfer an sich.

Doch nun, drei Tage vor dem DFB-Pokal-Duell am Samstag bei Drittligist Chemnitzer FC und anderthalb Wochen vor dem Saisonstart der Bundesliga, wird Rudy als bayrischer Königstransfer und "Schnäppchen-Stratege" gefeiert. Nun ist es freilich nicht so, dass die Münchener den Mittelfeldspieler zufällig am Grabbeltisch entdeckt hätten. Seit Jahren überzeugt er mit guten, bisweilen sehr guten Leistungen. Im Trikot der TSG Hoffenheim war er in der vergangenen Saison, gemessen an der Beurteilung des "Kicker", der beste deutsche Mittelfeldspieler in der Bundesliga. Und die Statistiker von whoscored.com bescheinigen ihm als zentrale Anspielstation der TSG eine überragende Passquote von 80,6 Prozent.

Kein Mann für Heldengrätschen

Rudys Problem ist: Bei einem Verein wie Hoffenheim, für den sich die Liga erst dank der Julian-Nagelsmann-Euphorie interessiert, kickte er lange unter dem Radar. Dass ihn Bundestrainer Joachim Löw zwar regelmäßig zum DFB-Team einlud, ihn vor großen Turnieren aber ebenso regelmäßig aussortierte, machte ihn nicht gerade zum Aufreger. Und auch jetzt ist er das nicht - weil er eben so fürchterlich unaufregend ist. Rudy ist kein Mann für Heldengrätschen. Er ist kein Mann für Übersteiger und er ist auch niemand, der das Tempodribbling beherrscht. Rudy ist ein Mann für die Intelligenz des Spiels. Ein Typ, der ein bisschen Philipp Lahm in sich trägt, ein bisschen Xabi Alonso und ein bisschen Toni Kroos.

Aber Confed-Cup-Sieger, das ist er.>
Aber Confed-Cup-Sieger, das ist er.(Foto: imago/Ulmer)

"Solche Spieler", sagte Rudy der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" jüngst über sich, "gibt es nicht oft". Beim Supercup-Erfolg gegen den BVB gab der Nationalspieler am Samstag sein Debüt für die Bayern - und machte die von der Rumpel-Vorbereitung frustrierenden Münchener gleich besser. Rudy passte sicher, eröffnete das Spiel clever, stellte die Räume souverän zu, bereitete beide Tore in der regulären Spielzeit vor und hämmerte seinen Strafstoß beim abschließenden Showdown gnadenlos in den Torwinkel. Alles ähnlich souverän wie beim Confed Cup Mitte Juni bis Anfang Juli. Überhaupt soll es Menschen geben, die sich wundern, wenn sie hören, dass Rudy bereits 60 Länderspiele absolviert hat. 60? Zugegeben, das ist ein wenig geschummelt. Auf diese imposante Zahl kommt nur, wer seine 40 Partien für die Juniorenteams des DFB hinzuzählt: sechs für die U17, elf für die U19 und 23 für die U21.

Nicht in jedem steckt ein kleiner Kroos

Diese Daten aber zeigen: Er war stets irgendwie dabei - und auch wieder nicht. Seit Mai 2014 spielt er für die A-Nationalmannschaft. Allerdings strich ihn der Bundestrainer doch noch aus dem Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Brasilien, die Kollegen gewannen ohne ihn den Titel. Danach lud Löw ihn wieder ein. Und nahm ihn dann im Sommer 2016 doch nicht mit zur Europameisterschaft nach Frankreich. Beim Konföderationenpokal in Russland aber hat Rudy gezeigt, wie wertvoll er sein kann - wenn die Besten nicht dabei sind. In der jungen Confed-Cup-Combo avancierte er zum Hirn, zum Mini-Kroos der deutschen Casting-Boygroup. Zum so unscheinbaren wie unersetzlichen Strategen. In allen fünf Partien stand er in der Startelf, nur einmal wechselte Löw ihn aus, nach 75 Minuten beim 3:1 gegen Kamerun im letzten Gruppenspiel. Beim glücklichen 1:0 im Endspiel gegen Chile war es Rudy, der als defensiverer Part der Doppelsechs neben Joshua Kimmich für Ruhe und Ordnung sorgte. Mit seiner unaufgeregten, schlauen Art bestimmte er den Takt, verteilte die Bälle im Mittelfeld und bewahrte in einem immer hektischer werdenden Spiel ganz vorzüglich die Übersicht.

>Mehr zum Thema

Doch während er beim FC Bayern einen guten Stand haben dürfte, könnte er in der Nationalmannschaft als der Spieler in die Geschichte eingehen, der bei allem Können das Pech hatte, dass es immer mindestens einen gab, der noch besser war. Besagter Kroos zum Beispiel, der mit Real Madrid nicht nur die spanische Meisterschaft, die Champions League und nun Europas Supercup gewonnen hat, sondern zudem als Passmaschine, Spieleröffner und Taktgeber unumstritten ist. Auch Sami Khedira von Juventus Turin dürfte bei Löw ganz oben auf der Liste stehen, wenn es darum geht, wer im kommenden Jahr bei der WM in Russland im defensiven Mittelfeld spielt. Dann gibt es ja immer noch Ilkay Gündogan, der sich nach seiner Knieverletzung bei Manchester City auf sein Comeback vorbereitet. Auch der Schalker Leon Goretzka ist kein Schlechter - und fünf Jahre jünger. Andererseits steckt in Rudy schon ein kleiner Kroos. "Ich ziehe das Spiel gerne an mich, von Toni habe ich mir schon einiges abgeschaut." Und vielleicht stellt sich ja heraus: Ancelotti hat gar keinen Unfug erzählt.

Quelle: n-tv.de

>Themen

Source : http://www.n-tv.de/sport/fussball/Der-belaechelte-Bessermacher-des-FC-Bayern-article19975098.html

Thank you Glücklich, dieses Fußballnachrichten zu lesen
Rudy überrascht in München: Der belächelte Bessermacher des FC Bayern
Fußball - Lahm ist passé: Kimmich greift an - "Jetzt liegt es an ihm"
Lahm ist passé: Kimmich greift an - „Jetzt liegt es an ihm”
FIFA The Best: Toni Kroos und Manuel Neuer unter den Nominierten
Jetzt muss Kimmich auch bei den Bayern liefern
Kimmichs Weg ist frei
Kimmich genießt Gefühl der Sicherheit
Erstmals auf rechts gesetzt Lahm ist passé: Kimmich greift an - "Jetzt liegt es an ihm"
So profitiert Kimmich von Lahms Karriereende
Legende Lahm ist passé: Joshua Kimmich greift jetzt an
#Telekom Sport, #Bundesliga, #ZDF, #Turku, #Nachrichten Heute, #General Pershing, #Willi Herren, #Eurojackpot Zahlen, #Bundesliga Spielplan 2017 18, #2. Bundesliga, #Wuppertal, #Unwetterwarnung, #Milo Moiré, #Heiko Herrlich, #Zdf Programm, #Steve Bannon, #Felicitas Woll, #Bundesliga Live, #Daniela Katzenberger, #News Heute,